Mit Erasmus+ ins Ausland

Die Programmlinie „Personalmobilität“ fördert damit Auslandsaufenthalte von u.a. Mitarbeitern an Hochschulen und Bildungseinrichtungen. Unsere Logopädie-Schulleitung Anette Herrmann konnte vom 13. bis 21.03.2017 auf Sardinien in Donigala Fenugheddu an diesem Programm teilnehmen und besuchte das  örtlichen Rehabilitationszentrum, in dem die rehabilitative Versorgung ambulant und stationär im Bereich der Neurologie (Sprache, Sprechen, Schlucken, Motorik, Kognition etc.), der Respiration und der Kardiologie stattfindet. Patienten werden in drei Gruppen eingeteilt, non autonomo, semiautonomo und autonomo. Im interdisziplinären Team wird über Befund und Therapie beraten, regelmäßige Teambesprechungen mit den Ärzten und Therapeuten sichern eine ständige Aktualisierung und optimale Versorgung der Patienten. 

Frau Herrmann erlebte dort als Logopädin zusammen mit den sardischen Kolleginnen einen „normalen“ Berufsalltag. Wie auch in Deutschland obliegt ihnen u.a. die Kontrolle des Schluckaktes der Patienten. Sie sind maßgeblich an der Entscheidung beteiligt, ob Patienten beispielsweise über PEG oder „per os“ ernährt werden oder welche Stufe der Dysphagiekost gewählt wird. Neben Dysphagien war der Berufsalltag von Aphasien, Dysarthrien und Sprechapraxien geprägt.

Besonders interessant dabei war für sie der Austausch mit den Fachdisziplinen Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie. Bei der Psychotherapeutin Dott.ssa. Maria Luisa Manca erhielt Frau Herrmann eine Einführung in die Psychotraumatologie und durfte an psychotherapeutischen Sitzungen teilnehmen.

Abgerundet wurden ihre beruflichen Erfahrungen durch die Teilnahme an einer Dysphagie-Tagung (in italienischer Sprache).

Das Fazit: Die Ausbildung und Behandlungstechniken der Logopäden sind vergleichbar und sehr verwandt mit denen in Deutschland. Im Bereich der Aphasie-Therapie wird z.B. ebenfalls modellorientiert gearbeitet. Während jedoch  in Deutschland die fiberendoskopische Untersuchung des Schluckaktes (FEES) zur Diagnostik ein gängiges Verfahren ist, verfügt ganz Italien laut Aussage der sardischen Logopädinnen insgesamt nur über ein gutes Dutzend an Geräten, wobei in Sardinien keines zu finden ist. Da diagnostisch hierdurch wesentliche Informationen über den individuellen Schluckablauf der Patienten fehlen, müssen die Logopädinnen, insbesondere auch, um stille Aspirationen zu vermeiden, Patienten in Intervallen täglich endotracheal absaugen und die klinische Diagnostik und Beobachtung hat notgedrungen einen deutlich höheren Stellenwert. Kompensatorische Schluckmanöver, allen voran das supraglottische Schlucken, werden fast immer verwendet.

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